
Baselworld 2017 brachte eine Uhr zurück ins Rampenlicht, die viele mit den frühen Tagen der Speedmaster verbinden: die Speedmaster ’57 Reissue. Der Auftritt wirkte wie eine klare Verbeugung vor der Ästhetik der späten fünfziger Jahre – mit typischen Linien, einer präsenten Lünette und dem unverwechselbaren Charakter, den Sammler an dieser Familie schätzen.
Die Neuauflage spielt mit vertrauten Proportionen und Details, ohne sich als bloße Kopie zu geben. Zifferblatt, Zeiger und Indexe greifen das historische Vokabular auf und setzen es in eine Ausführung um, die dem Jahr 2017 entspricht. So entsteht ein Modell, das nostalgische Erwartungen bedient und zugleich als aktuelle Speedmaster erkennbar bleibt.
Wer die Messe als Bühne für große Signale betrachtet, findet hier eines davon: eine Reissue, die Herkunft zeigt, aber nicht im Gestern stehen bleibt. Genau diese Mischung aus Referenz und Gegenwart macht die Speedmaster ’57 Reissue zu einem der Gesprächsthemen, das Basel in jenem Jahr geprägt hat.
Welche Neuerungen zeigt die Speedmaster ’57 Reissue 2017 gegenüber früheren ’57-Referenzen (Gehäuse, Zifferblatt, Zeiger, Lünette)?
Die Speedmaster ’57 Reissue 2017 rückt das Gehäuse wieder näher an die Proportionen der frühen CK2915: schlanker wirkende Flanken, klarer gefasste Kanten und ein stärker historisch wirkender Sitz der Lünette. Diese Tachymeter-Lünette tritt optisch prägnanter hervor und spielt mit einem deutlicheren Tool-Charakter, statt sich wie bei mancher späteren ’57-Interpretation zurückzunehmen. Auch die Oberflächen wirken sauberer getrennt – polierte und satinierte Bereiche sind klarer abgesetzt, was die Kontur im Profil schärft.
Am Zifferblatt fallen die überarbeiteten Drucke und die stimmigere Anmutung der Leuchtmasse auf: Indizes und Minuterie sind feiner ausbalanciert, sodass das Blatt weniger „modernisiert“ erscheint. Dazu passen neu gezeichnete Zeiger mit stärkerem Vintage-Bezug: breitere, geradlinigere Formen und eine ruhigere Proportion zwischen Stunden- und Minutenzeiger. Das Zusammenspiel aus Blattgrafik, Zeigergeometrie und der markanter wirkenden Lünette ergibt ein konsistenteres ’57-Bild, ohne den Wiedererkennungswert der Speedmaster zu verlieren.
Welche technischen Daten sind für Käufer entscheidend
Beim Speedmaster ’57 Reissue richten sich viele Blicke zuerst auf das Kaliber: Handaufzug oder Automatik, Säulenrad oder Kulissenschaltung, Co-Axial-Hemmung und die Art der Regulierung prägen Bediengefühl und Serviceaufwand. Ebenso zählt die Gangreserve, weil sie bestimmt, ob die Uhr nach einem Tag Pause stehen bleibt oder weiterläuft; zusammen mit der Frequenz (z. B. 3,5 Hz/25.200 A/h oder 4 Hz/28.800 A/h) beeinflusst sie Laufruhe des Sekundenzeigers, Verschleiß und Feinreglage. Wer den Chronographen nutzt, prüft den Aufbau: horizontale Kupplung oder vertikale Kupplung, Minuten- und Stunden-Zähler, Schaltgefühl der Drücker und ob die Kupplung beim Start „ruckfrei“ einkuppelt.
Technik-Checkliste für den Vergleich
- Kaliber: Werkfamilie, Handaufzug/Automatik, Co-Axial, Unruhspirale (z. B. Silizium), Zertifizierung (Chronometer/Master Chronometer)
- Gangreserve: Anzahl Stunden, Verhalten bei sinkender Federkraft (Stabilität der Amplitude)
- Frequenz: A/h oder Hz, Einfluss auf Stoppsekundenauflösung und Toleranzen
- Chronograph: Säulenrad, Kupplungstyp, 2- oder 3-Register, Reset-Präzision der Zeiger
- Wasserdichtheit: Angabe in bar/Metern, verschraubte Krone, Drückerdichtungen
Maße und Tragegefühl
Die Maße entscheiden oft über den Kauf: Durchmesser, Lug-to-Lug, Höhe (besonders bei Boxglas) und Bandanstoßbreite beeinflussen, ob die ’57 am Handgelenk kompakt wirkt oder kopflastig wird. Für den Alltag sind 5–10 bar meist ein guter Richtwert, doch bei Chronographen zählen auch die Drücker–ohne verschraubte Konstruktion bleibt Wasserresistenz stärker vom Zustand der Dichtungen abhängig. Wer vergleicht, sollte Zahlen immer zusammen lesen: ein höheres Gehäuse kann mit kürzerem Lug-to-Lug gut sitzen, während ein flaches Modell mit langen Hörnern größer wirkt.
Worauf beim Kauf zu achten ist: Referenznummern, Varianten, Armbandoptionen, Listenpreis vs. Marktpreis, typische Prüfmerkmale
Beim Speedmaster ’57 Reissue aus dem Umfeld von Baselworld 2017 entscheidet oft die Referenznummer darüber, was man tatsächlich bekommt: Gehäusematerial, Zifferblattfarbe, Lünette und Bandkonfiguration sind daran sauber ablesbar. Vor dem Kauf sollte die Referenz auf den Papieren, der Garantiekarte und – falls vorhanden – auf dem Verkaufsbeleg übereinstimmen; Abweichungen sind ein Warnsignal oder müssen plausibel erklärt sein (z. B. Bandtausch).
Referenzen & Varianten
Typische Varianten unterscheiden sich über Details, die auf Fotos leicht „gleich“ wirken: Dauphine-Zeiger vs. andere Formen, Minuterie, Farbton der Leuchtmasse, Ausführung der Tachymeter-Lünette sowie die Art des Zifferblatts (matte Wirkung, Sonnenschliff, Druckbild). Seriöse Angebote zeigen Nahaufnahmen von Logo, Schriftzügen und Totalisatoren; unscharfe Bilder genau dort sind selten Zufall.
Die Reissue-Familie wird gern mit späteren Co-Axial-Speedmastern verwechselt. Deshalb lohnt sich ein Blick auf Werkangaben in den Unterlagen (Kaliberbezeichnung), auf den Glasboden/geschlossenes Gehäuse je nach Ausführung und auf die Krone/Drücker-Proportionen. Stimmen diese Punkte nicht zur Referenz, ist die Uhr entweder falsch beschrieben oder aus Teilen zusammengesetzt.
Armbandoptionen & Passform
Beim Armband zählt mehr als Optik: Leder mit Faltschließe, Stahlband oder Nato/Velcro wirken unterschiedlich auf Tragehöhe und Balance. Prüfen: Bandreferenz, Endlinks, Zustand der Schließe, Dehnung bei Stahlbändern sowie zusätzliche Bandglieder. Ein originales Stahlband kann den Marktwert deutlich beeinflussen; ein später nachgerüstetes Band ist nicht automatisch schlecht, sollte aber transparent deklariert sein.
Listenpreis und Marktpreis liegen je nach Zustand und Set stark auseinander. „Full Set“ (Box, Papiere, Hangtags, Booklets) ist meist teurer, bringt aber auch bessere Nachvollziehbarkeit. Bei auffallend günstigen Angeboten helfen zwei Fragen: Wurde kürzlich revidiert (mit Beleg)? Und passt die Preislogik zur Seltenheit der konkreten Variante?
Zu den typischen Prüfmerkmalen gehört der Vergleich von Gehäusekanten und Politur: Zu runde Hörner, weich gewordene Fasen oder verwaschene Gravuren sprechen für starke Aufarbeitung. Ebenso wichtig: sauberer Sitz der Lünette, gleichmäßiger Druck des Tachymeter-Rings, mittig stehende Zeiger auf den Totalisatoren und ein Minutenzeiger, der exakt die Indexe trifft.
Beim Zifferblatt sollte das Druckbild unter Vergrößerung scharf wirken, ohne „ausgefranste“ Ränder. Leuchtmasse muss farblich und in der Alterung stimmig sein: fleckige, zu grelle oder ungleich aufgetragene Leuchtpunkte deuten auf Nacharbeit. Kratzer auf dem Glas sind weniger kritisch als Eingriffe am Blatt.
Für die technische Kontrolle: Chronograph starten/stoppen/resetten, dabei auf sauberes Anlaufen, ruckfreien Zeigerlauf und exakt auf Null springende Zeiger achten. Der Aufzug sollte gleichmäßig sein, ohne Schleifen; bei Handaufzug ist ein spürbarer Widerstand normal, harte „Blockaden“ nicht. Ein Zeitwaagen-Protokoll ist hilfreich, ersetzt aber keine Sichtprüfung von Dichtungen, Drückern und Krone, wenn Wasserdichtigkeit zugesichert wird.
